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Ägypten-Spezial

Ankündigung des 17. DAAD-Sommerkurses in Alexandria

für Doktorkandidat(inn)en und Dozent(inn)en der Germanistik

„Erzählen“ im Schnittpunkt von Linguistik und Literaturwissenschaft“

7. bis 15. September 2005

 

Organisation/Moderation: Gastdozenten und Lektoren des DAAD in Ägypten

Teilnehmerkreis: Doktorand(inn)en und Dozent(inn)en der Germanistik

Dozenten:
Prof. Dr. Ursula Bredel (PH Karlsruhe)
N.N.
Susanne Ruppert-Elias (Universität Alexandria)
Ass.-Prof. Dr. Ursula Renate Riedner (Heluan Universität)
Prof. Dr. Siegfried Steinmann (Al-Azhar Universität)

Gastvortrag: N.N.

Ort: Goethe-Institut Alexandria:
10, rue des Ptolémées, Alexandria-Azarita

Bewerbung: bis 31.05. 2005 im DAAD-Büro Kairo. Bewerbungsformular >>

Vorbesprechung und Ausgabe der Tagungsunterlagen:
Ende Juni 2005 im DAAD-Büro Kairo,
11, Sharia Saleh Ayyoub, Kairo-Zamalek
(der genaue Termin wird den ausgew. Teiln. rechtzeitig mitgeteilt)

Der Sommerkurs in Alexandria, der vor 17 Jahren zur wissenschaftlichen Fort- und Weiterbildung ägyptischer Magister- und Doktorkandidat(inn)en der Germanistik von den in Ägypten anwesenden Lektoren eingerichtet wurde und seither mit finanzieller Unterstützung des DAAD jährlich stattfindet, steht in diesem Jahr unter dem Thema „Erzählen“. Aus linguistischer und aus literaturwissenschaftlicher Perspektive soll das Erzählen als grundlegende Form von sprachlichen Äußerungen wie literarischen Texten ins Auge gefaßt werden. Das Thema „Erzählen“ steht also im Schnittpunkt der beiden Fachteile Linguistik und Literaturwissenschaft: mit dieser Formulierung soll angesprochen sein, daß Gestaltung und Verlauf des diesjährigen Sommerkurses besonderes Gewicht auf die gegenseitige Ergänzung beider Perspektiven legen wird. Dazu haben wir wiederum zwei Kolleg(inn)en aus Deutschland eingeladen, die beide Experten auf dem Gebiet des Erzählens und der Erzähltheorie sind und die neuesten Forschungsansätze in ihrem jeweiligen Fach vertreten.

Der diesjährige Sommerkurs zielt auf eine ganz bestimmte Gruppe junger Wissenschaftler aus der ägyptischen Germanistik: diejenigen, die mit der Abfassung ihrer Dissertation beschäftigt sind, sowie junge, promovierte Dozentinnen und Dozenten, die ihre ersten wissenschaftlichen Aufsätze nach der Dissertation verfassen bzw. solche planen.

Deshalb ist der diesjährige Kurs in seinem Programm und seiner Struktur etwas anders gestaltet als die bisherigen Kurse. Neben den aus den Vorjahren bekannten, je zwei Seminarreihen in den beiden Fachteilen Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft, die alternierend von den beiden Gastdozent(inn)en aus Deutschland und den Lektor(inn)en in getrennten Sektionen angeboten werden, wird ein gemeinsames Kolloquium unter der Überschrift „Forschungsfelder und Perspektiven der jungen ägyptischen Germanistik“ in verschiedenen Arbeitsformen Gelegenheit dazu geben, vorliegende Forschungsansätze und Forschungsthemen sowie Perspektiven der ägyptischen Germanistik kritisch zu betrachten, als auch konkrete Forschungsvorhaben der Teilnehmer(innen) zu diskutieren.

Neben den inhaltlichen Aspekten des Themas legt der Sommerkurs traditionell großen Wert auf die Behandlung methodischer Fragen. Um dem diesjährigen Teilnehmerkreis in besonderer Weise gerecht zu werden, wird sich eine weitere gemeinsame Veranstaltung der Textart „wissenschaftlicher Artikel“ widmen: ihre Strukturen sollen analysiert und die Ergebnisse für die Planung und Abfassung eigener wissenschaftlicher Texte nutzbar gemacht werden.

Darüber hinaus wird es auch in diesem Jahr einen Gastvortrag im Rahmen des gewählten Themas geben. Im Einzelnen sind folgende Veranstaltungen geplant:

Sektionen
Aus zeitlichen Gründen ist eine Aufteilung in Sektionen unerläßlich. Wir planen aber, eine Zusammenfassung der Sektionsarbeit täglich im Plenum vorzustellen, wo dann auch Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion gegeben sein wird.

SPRACHWISSENSCHAFT
Tempusformen im Roman (Bredel)

"Herr X war auf Reisen". Steht ein solcher Satz in einem Roman, interpretieren wir ihn als "gegenwärtig" - wir sehen Herrn X auf seiner Reise. U. a. diese Beobachtung veranlasste Käte Hamburger bereits in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, dem Präteritum im Roman die Qualität abzusprechen, die Vergangenheit zu markieren. In ihrer Nachfolge hat Harald Weinrich diese These radikalisiert. Er behauptete nun, das Präteritum habe auch außerhalb des Romans, in Wirklichkeitsaussagen, keine temporale Bedeutung. Die linguistische Tempustheorie blieb bis auf wenige Ausnahmen von diesen Konzepten unberührt.
Wir wollen uns gemeinsam mit den Aussagen von Hamburger und Weinrich befassen und sie auf eine feste linguistische Grundlage stellen. Denn sowohl die Flexionsmorphologie des Verbs als auch die Bedeutung von Indikativ- und Konjunktivformen geben uns Anlass, die Konzepte von Hamburger und Weinrich weiter zu radikalisieren: Nach einem Durchgang durch die linguistische Analyse können wir dann auch erklären, warum das Präteritum das "Erzähltempus par excellence" ist. Die neuerdings beobachtbare Umstellung moderner Autoren und Autorinnen aufs Präsens wird gesondert diskutiert.

Diskursives Erzählen als Forschungsgegenstand der Linguistik (Riedner)
Seit der richtungsweisenden Untersuchung von Labov & Waletzky (1967) ist das Erzählen – im Zuge einer zunehmenden pragmatischen Orientierung der Linguistik – als ein Forschungsgegenstand, der bis dahin allein der Literaturwissenschaft vorbehalten war, auch in den Fokus linguistischer Untersuchungen geraten. Im Mittelpunkt steht dabei das diskursive Erzählen, das die Kopräsenz von Sprecher und Hörer in einem gemeinsamen Wahrnehmungsraum voraussetzt. Ziel des Seminars ist es, einen ersten Einblick in die verschiedenen Fragestellungen und Verfahren linguistischer Erzählanalyse zu geben. Diese sollen in der Analyse diskursiver Erzählungen gemeinsam praktisch erprobt werden. Darüber hinaus wird zu fragen sein, wie aus einer Form alltäglichen sprachlichen Handelns, aus dem sich das literarische Erzählen überhaupt erst entwickelt hat, wiederum Rückschlüsse auf die Besonderheit des literarischen Erzählens in seinen grundlegenden Strukturen gezogen werden können.

Der Märchenerzähler im Kaffeehaus oder Aspekte Orientalischer Erzähltradition(en)
(Ruppert-Elias)

In der Veranstaltung sollen anhand ausgewählter Beispiele wichtige historische Aspekte orientalischer Erzähltradition(en) erarbeitet und deren Form(en) und Funktion(en) in der Alltagskommunikation sowie in verschiedenen institutionellen Zusammenhängen betrachtet werden.
Weiterhin wird hier nach einer nachhaltigen Wirkung bzw. dem Einfluss historischer Vorbilder auf gegenwärtige Formen der (alltäglichen) Kommunikation in bestimmten Bereichen zu fragen sein.

LITERATURWISSENSCHAFT
Aspekte der Erzähltheorie (N.N.)

„Erzählen“ und „Geschichte“. Zu Strukturen des Erzählens in der Literatur der Moderne (Steinmann)
„Erzählen“ wird hier in seiner Funktion des Strukturierens der „Geschichte“ verstanden. Beide Begriffe sollen zunächst anhand jüngerer Forschungsliteratur zum Thema diskutiert und bestimmt werden, um anschließend Verfahren des Strukturierens im Erzählvorgang verschiedener literarischer Texte der Moderne zu untersuchen, in denen die traditionelle Rolle des Erzählers von neuen Erzählstrategien abgelöst wird. Beispielhaft sollen literarische Texte von Holz, Schlaf, Schnitzler, Döblin und Grass untersucht werden.

Gastvortrag
Zu einem speziellen Bereich des Rahmenthemas (N.N.)

Plenum
ZUR STRUKTUR DER TEXTART „WISSENSCHAFTLICHER ARTIKEL“. ANALYSE UND PLANUNG (Riedner/Steinmann)
Der wissenschaftliche Artikel - oder Aufsatz - ist die Textform, die Wissenschaftler aller Fächer am häufigsten zu bearbeiten und selbst zu schreiben haben. Kein Thema kann in einem wissenschaftlichen Aufsatz bearbeitet werden, ohne zuvor zahlreiche Aufsätze anderer Autoren zum Thema gesichtet, analysiert und für die eigene Argumentation fruchtbar gemacht zu haben. Mit beiden Aspekten – dem der Rezeption und dem der Produktion – wollen wir uns in dieser Veranstaltung beschäftigen. Dabei werden wir uns sowohl auf vorliegende Forschungsarbeiten zum wissenschaftlichen Artikel und seiner spezifischen Argumentationsweise als auch auf konkrete Beispiele der Gestaltung beziehen.

FORSCHUNGSFELDER UND PERSPEKTIVEN DER JUNGEN ÄGYPTISCHEN GERMANISTIK
Diese Veranstaltung ist einer der zentralen Programmteile des diesjährigen Kurses. Die Analyse jüngster Entwicklungen in der Forschung der ägyptischen Germanistik soll hier als Ausgangspunkt für die Diskussion aktueller und für die weitere Ausgestaltung des Faches wichtiger Forschungsfelder dienen. Damit verbunden ist die Betrachtung konkreter Forschungsthemen, die die Teilnehmer(innen) in diesem Forum präsentieren sollen. Dabei kann es sich bei der Vorstellung eigener Forschungsansätze sowohl um die gerade entstehende Dissertation als auch um Ideen und Pläne für einen (ersten) wissenschaftlichen Aufsatz handeln. Wichtig ist, daß die Präsentation sich nicht auf formale Textarten wie den offiziellen Plan zu einem Promotionsvorhaben bezieht, sondern daß die Teilnehmer(innen) den Prozeß der Bearbeitung ihres Themas deutlich machen, Problempunkte aufzeigen, zentrale Thesen und Arbeitshypothesen an ausgewählten Beispielen darstellen. Vorteilhaft ist dafür das Erstellen einer Textvorlage aus dem Themenbereich, an der beispielhaft zentrale Fragestellungen aufgezeigt und diskutiert werden können.
Aus Gründen der besseren Vorplanung der Diskussionen in diesem Kolloquium sind alle Bewerber(innen) aufgefordert, zusammen mit der Bewerbung ein ein- bis zweiseitiges Exposé zu ihrem Forschungsthema bzw. zu einem Forschungsgebiet ihres Interesses einzureichen.

Wissenschaftliche Beratung
Die beiden DAAD-Gastdozent(inn)en und die DAAD-Lektor(inn)en stehen den Kursteilnehmern während des Kurszeitraums zu wissenschaftlichen Einzelgesprächen über die diversen Forschungsprojekte zur Verfügung. Diese Gespräche können und sollen natürlich über das Kursende hinaus fortgesetzt werden; der in Alexandria geknüpfte Kontakt zu deutschen Gastwissenschaftlern kann sich im Idealfall zu einem dauerhaften und fruchtbaren wissenschaftlichen Dialog entwickeln. Wir empfehlen deshalb dringend, sich sowohl auf die Präsentation des eigenen Forschungsprojekts im Kolloquium als auch auf die Beratungsgespräche gründlich, d.h. mit gezielten Fragestellungen, vorzubereiten.

Die Kursplätze werden nicht nach Quoten für die einzelnen Germanistikabteilungen vergeben. Die Bewerbung um einen Kursplatz ist direkt beim DAAD-Büro Kairo einzureichen. Dem ausgefüllten Bewerbungsformular muß als Anlage ein maschinengeschriebener Abstract (1-2 Seiten) für den ca. 20minütigen Vortrag beigefügt werden. Auf dem Abstract sollten Name, Universität, Fakultät und Abteilung vermerkt sein. Bewerbungsschluß ist der 31. Mai 2005.

In einer Vorbesprechung mit den ausgewählten Teilnehmer(inne)n, die wir für Ende Juni planen (der genaue Termin wird in der Benachrichtigung über die Auswahlergebnisse mitgeteilt), können die Tagungsunterlagen (Reader für die einzelnen Veranstaltungen; Kopien der Abstracts) entgegengenommen werden. Bei diesem Treffen wollen wir den Kursverlauf sowie die zu bearbeitenden Materialien, deren gründliche Lektüre Voraussetzung und Grundlage für die Kursarbeit ist, besprechen.

Das DAAD-Büro Kairo bietet den Teilnehmer(inne)n am Alexandria-Sommerkurs Zuschüsse für Reise- und Übernachtungskosten sowie ein Tagegeld:

Reisekostenzuschuss/pro Person: LE 50 (Hin- und Rückfahrt)
Übernachtungskostenzuschuss/pro Person: LE 80 (pro Nacht; insges.8 Nächte)
Tagegeld/pro Person: LE 60 (pro Tag; insges. 9 Tage)
Die Teilnehmerzahl ist angesichts der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten auf 20 Personen begrenzt. Endgültig ausgewählte Teilnehmer(innen) verpflichten sich mit ihrer Unterschrift unter die Anmeldung, in der gesamten Zeit vom 7.9. bis zum 15.9. an allen Veranstaltungen des Kurses teilzunehmen.

DAAD-Lektoren / DAAD-Büro Kairo
im April 2005