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Daß du nicht enden kannst, das macht dich groß

Ein Interview mit dem Übersetzer und Schriftsteller Abd El-Ghaffar Mekkawi. Von Valentin Coenen

Wir befinden uns im Kairener Stadtteil Nasser City, hoch oben in einem modernen mehrstöckigen Haus. Ein großes Wohnzimmer einer Etagenwohnung lädt mit dezenter Eleganz ein, einzutreten, sanft flankiert von großflächigen Bildern mit mythologischen Motiven und originellen, exotischen Lampen, die einen schwachen Schein aufs Canapé werfen, das sich im hinteren Teil des Zimmers befindet. Aus ihm tritt mit freundlicher Geste ein leger gekleideter älterer Herr hervor. Sein natürliches und bescheidenes Auftreten geben keinerlei Hinweis darauf, dass wir es mit einer ägyptischen Geistesgröße zu tun haben: es ist der ägyptische Schriftsteller Abd El-Ghaffar Mekkawi, der sich vor allem als Wissenschaftler und Übersetzer im gesamten arabischen Raum einen Namen gemacht hat.

Ein kurzer Blick auf Mekkawis Verdienste um den deutsch-arabischen Kulturdialog neben seinen Meriten als Schriftsteller mögen genügen, um sich ein Bild von seiner geistigen Produktivität zu machen. So umfasst sein schriftstellerisches Oeuvre sämtliche literarischen Genres wie Erzählungen - eine seiner bekanntesten ist "Jonas im Bauch des Wals" - oder Dramen wie "Das Verhör des Gilgamesh" (arab. "Muhakamat Gilgamesh). Und so vielseitig Mekkawis Tätigkeit als Schriftsteller ist, so vielschichtig sind auch seine philosophischen Studien: So decken seine philosophischen Schriften das gesamte Spektrum abendländischer Philosophie ab und reichen über die deutsche Philosophie der Aufklärung von Leibniz und Kant bis zum Existentialismus Martin Heideggers und der Frankfurter Schule. Darüber hinaus hat sich er sich - ein charakteristisches Indiz seiner intellektuellen Vielseitigkeit - auch mit orientalischer Philosophie - hier insbesondere mit der "babylonischen Weisheitsliteratur" und dem "Taoismus" - beschäftigt. Und wie anders könnte es sein, als dass diese Liebe zu den geistigen Ursprüngen menschlicher Kultur ihn dorthin führt, wo sie in der Sprache wurzelt. Hier, im Medium der Sprache und ihren vielfältigen Erscheinungsformen hat sich Abd El-Ghaffar Mekkawi dank seines feinen Sprachgefühls als herausragender Übersetzer profiliert und sich in der Fachwelt einen Namen gemacht, der weit über die Grenzen Ägyptens hinausreicht. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei seine Übersetzungen aus dem Deutschen, denn es ist eindeutig das Verdienst von Mekkawi, durch die Fülle philosophischer und literarischer Übersetzungen vom Deutschen ins Arabische - zu seinen bevorzugten Autoren gehören J.W. Goethe und Bertolt Brecht - einen bedeutenden Teil deutscher Kultur dem arabischen Leser zugänglich gemacht zu haben. Die Übersetzung von Goethes "West-Östlichem Diwan" darf als exemplarisch für Mekkawis dichterisches Gespür angesehen werden, das sich nicht mit einer wortwörtlichen, buchstabengetreuen Übersetzung zufrieden gibt, sondern der Übersetzung durch minutiöse Komposition prosodischer Elemente wie Metrik und Rhythmus sowie Sprachmelodie einen poetischen Geist einzuhauchen versucht, der vergessen lässt, dass es sich hierbei um eine Übersetzung handelt.