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,,Research and Development" in der Politik
Interview mit Prof. El-Dimeery


Herr Prof. El-Dimeery, was war Ihre erste Amtshandlung als Transportminister?
Nachdem ich zum Minister ernannt wurde, fand ich, dass meine erste Aufgabe sein muss, einen zukunftsfähigen Verkehrsplan für jeden Sektor zu entwerfen. Die Verkehrspläne sollten alle Faktoren und Prognosen des Transportsystems beinhalten, die man für die Zukunft braucht. Deshalb habe ich in den ersten sechs Monaten meiner Amtszeit diese Verkehrspläne fertig gestellt. Danach habe ich Finanz- und Dringlichkeitspläne unter dem Gesichtspunkt von Prioritäten erstellt, sprich was ist wichtig zu erledigen, was ist finanziell möglich.

Welches sind die Sektoren des Transportministeriums?
Früher gab es drei separate Transportministerien, die nun in einem zusammengefasst worden sind. Unser Ministerium trägt die Verantwortung für den Inlandstransport: Eisenbahn, Straßennetz, U-Bahnen, Flussverkehr. Der zweite Sektor ist der zivile Luftverkehr. Der dritte Aufgabenbereich ist der Seetransport.

Herr Minister, welche Schwierigkeiten stellen sich bei der Realisierung Ihrer Verkehrspläne?
Ich habe die Realisierung der Verkehrspläne auf einen Zeitraum von 30 Jahren projiziert. Ob uns die verschiedenen Projekte gelingen werden, hängt von der Finanzierung ab. Wir versuchen überall in der Welt, Kontakte zu Finanzierungsinstitutionen aufzubauen. Dies war auch der Anlass für meine letzten Besuche in Frankreich und Deutschland. Ich hatte Gespräche mit Firmen und Banken in Deutschland und auch mit dem "Foreign Trade Minister" in Hamburg, Herrn Senator Dr. Thomas Mirow. Wir haben ihnen unsere Pläne vorgelegt, um ihr Interesse für unsere Vorhaben zu wecken. Aus wirtschaftlicher Sicht ist Ägypten stabil und bietet den Investoren die notwendige Sicherheit für Investitionen. Mein abschließendes Urteil über den Deutschlandbesuch ist, dass die Leute wirkliches Interesse zeigen, bei uns in Ägypten zu investieren. In den nächsten Wochen erwarte ich weitere Besuche und noch mehr Kontakte, damit die Ideen auch in Gang gebracht werden können.

Welche konkreten Projektideen haben Sie ihren Partnern vorgelegt?
Wir haben bereits deutsche Firmen gefunden, die mit uns auf dem Privatsektor zusammen arbeiten. Sie haben ihr Geld in die Flughäfen von Farafra und Baharia gesteckt. Ein so genanntes BOT-Projekt. Diesmal besuchte ich Siemens und die Deutsche Bahn, damit wir auf dem Eisenbahnsektor Kooperationspartner finden. Wir wollen in Ägypten eine Schnellbahn, den ICE, bauen. Den Transrapid habe ich in Deutschland ausprobiert, das ging sehr schnell, war toll. Aber wir wollen den Tourismus mit einer Schnellbahn von Alexandria nach Aswan bedienen. Siemens hat ein großes Interesse daran, mit uns an der Kairener U-Bahn gemeinsam zu arbeiten. Sie haben erst kürzlich in Singapur eine U-Bahn gebaut und wollen uns jetzt für die dritte U-Bahnlinie in Kairo einen Vorschlag machen. Auch Thyssen hat Interesse gezeigt. Sie bauen mit neuen Technologien Eisenbahnstrecken aus. Wenn es zu Kooperationen kommt zwischen deutschen Firmen und der "SIMAF", das ist die ägyptische Industrie für Eisenbahncoaches, dann wird man sich in Form eines Jointventures oder einer Partnership einigen. Ich hoffe, dass die Zukunft eine Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Ägyptern mit sich bringt.

Welches Phänomen der deutschen Verkehrsplanung sagt Ihnen als Wissenschaftler am meisten zu?
Meines Erachtens ist das deutsche Autobahnnetz eines der besten überhaupt, wenn nicht das beste der Welt. Zwar haben die Amerikaner die längsten Highways, aber als Fachmann und Verkehrsplaner muss ich sagen, dass das deutsche System die Benutzer viel besser bedient und auch von seinen Verbindungen her viel effizienter ist als das amerikanische System. Wir in Ägypten hoffen, dass wir das deutsche System adaptieren oder zumindest uns daran orientieren können. Doch bei der Ausarbeitung eines neuen Autobahnnetzes in Ägypten, es ist das Zukunftsprojekt schlechthin, haben wir wieder die Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Daher sind wir auf die Verwirklichung des BOT-Systems angewiesen. Für uns bietet es die einzige Möglichkeit, verschiedene Investoren für den Bau einer Autobahn zu gewinnen. Für letztere liegt der Profit darin, dass sie nach der Fertigstellung der Strecke diese für einen gewissen Zeitraum betreiben können, bevor der Staat die Autobahn übernimmt. Deswegen haben wir den ersten Ausbau einer Autobahnstrecke von Alexandria nach Al-Fayum an ein Konsortium vergeben und die Strecke Kairo - Ain Suchna an ein anderes Konsortium. Auf diesem Weg wird es eine Weile dauern, bis wir unser Autobahnnetz über den Privatsektor ausgebaut haben.

Herr Professor El-Dimeery, wie lassen sich Wissenschaft und Politik in Ihren Funktionen gemeinsam vereinbaren?
Wissen Sie, wir leben in einer Zeit, in der von der Politik der Fortschritt verlangt wird. Deswegen ist es eine Notwendigkeit, die Wissenschaft in politische Entscheidungen zu integrieren. Jeder Staat, der sich entwickeln will, und mit der Zeit Schritt halten möchte, muss das Prinzip "Research and Development" zur Grundlage seiner Politik machen. Dies gilt besonders in Bereichen, in denen man die Öffentlichkeit bedient. Denn um den Service für die Menschen zu verbessern, muss immer weiter geforscht werden. So kann der Zusammenhang von Wissenschaft und Politik das Land weiterführen, neue Energien freisetzen und den Staat an sich, in allen seinen Strukturen verbessern, was nicht nur den abstrakten Staat meint, sondern die Menschen und deren Lebensqualität in einem Staat.

Herr Minister El-Dimeery, können Sie uns Ihre akademische Laufbahn skizzieren?
Am 1. April 1966 kam ich als DAAD-Stipendiat zum ersten Mal nach Deutschland. Im Oktober 1969 habe ich an der RTWH Aachen mein Studium als Diplomingenieur abgeschlossen und gleich im Anschluss meine Doktorarbeit in der Verkehrsplanung begonnen. Die Promotion beendete ich 1973. Während meiner Doktorarbeit war ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums tätig und habe Forschungsaufträge ausgeführt. Ein Auftrag war von besonderer Bedeutung für mich, nämlich die Auswirkungen des Wochenend- und Erholungsverkehrs auf den Bundesstraßen. Dieser Auftrag war ein Teil meiner Doktorarbeit. Als ich nach Ägypten zurückkam, habe ich vorwiegend an der Ain-Shams Universität gearbeitet. Von Jahr zu Jahr bin ich dann die Karriereleiter in der Universität aufgestiegen. Erst Assistenz-Professor, Voll-Professor, dann Vizedekan, Dekan, Vizepräsident der Ain-Shams Universität und gleichzeitig Präsident der Akhbar-El-Youm-Akademie, bis ich schließlich Minister wurde.

Welche Erfahrungen konnten Sie an der deutschen Universität machen?
Meine Erfahrungen an der deutschen Universität bezüglich der Ausbildung der Menschen waren sehr gut. Insgesamt ist das deutsche Hochschulsystem sehr gut organisiert. Die akademische Freiheit erlaubt Gedankenfreiheit, verschiedene Denkweisen und ermöglicht, alles zu erlernen, wonach man strebt. Daraus folgt, dass Forschung und Recherche vielseitig ablaufen, verschiedene Methoden angewandt werden können und alles erreicht werden kann, was man erreichen will, und zwar auf schnellstmöglichem Weg. Deswegen kann man bei seiner Arbeit auch das gesamte Potential der eigenen Aktivitäten ausschöpfen und einbringen. Im Vergleich zu vielen anderen Hochschulsystemen halte ich das deutsche für eines der besten.

Was wünschen Sie dem DAAD Kairo zum 40.Geburtstag?
Ich wünsche dem DAAD weiterhin viel Erfolg in seinen Aufgaben. Die Aufgaben, die der DAAD übernimmt, sind für die Entwicklungsländer der ganzen Welt von größter Bedeutung. Der DAAD gibt Menschen die Möglichkeit, sich zu verbessern und durch das Studium in Deutschland weiter zu entwickeln, so dass die in Deutschland gesammelten Erfahrungen in der Heimat fruchtbar gemacht werden können. Dies geschieht nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sondern auch auf kultureller und emotionaler Ebene. Deutschland bleibt den Menschen immer positiv im Herzen, weil jeder weiß, wo man sein Wissen erworben hat. Dies gilt auch für mich, weil ich ohne den DAAD nicht in Deutschland hätte studieren können.