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Texte von Ehemaligen Stipendiaten

  • „Neue IT Kräfte braucht das Land” von Dr. Neamat El Gayar
  • „Wissenschaft und Verantwortung” von Dr. rer. nat. Hesham A. El-Enshasy
  • „Umweltschutz - eine ökonomische Ressource” von Dr. Hanan Ghozlan
  • „Die Globalisierung der Schweißtechnik” von Dr. Eng. Magdy El Rayes
    „Neue IT Kräfte braucht das Land”
    von Dr. Neamat El Gayar

    „Weltweit, auch hier in Ägypten, boomt das Internet. Vor allem an den Universitäten wie Ain Shams, Kairo, Mansura und Assiut sind in letzter Zeit Fakultäten für Informatik gegründet worden. Dahinter stehen die Anstrengungen der ägyptischen Regierung, einen Software-Markt in Ägypten zu etablieren. Genauso versucht man auch die heranwachsende Generation an die neue Technologie heranzuführen, z.B. durch die Ausstattung der Schulen mit Computern und Internetanschluss. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Großteil der Jugend ans Netz geht. Das ist sehr wichtig, denn andernfalls wären die Schüler und Studenten von der weltumspannenden Informationsressource Internet abgeschnitten, sie würden buchstäblich den Anschluss an die Informationsgesellschaft verlieren. In diesem Zusammenhang sollte man auch ruhig die Industrie stärker einspannen und Kooperationsverträge zwischen Industrie und Uni anregen. Es wäre doch zu dumm, wenn man diese Chance der Weiterbildung und Weiterentwicklung nicht nutzen würde. Die dadurch gewonnene Freiheit darf nicht missbraucht werden, sondern der Umgang mit dem Medium muss ein verantwortungsvoller sein, vor allem in der Wissenschaft. So konnte ich mich im Rahmen meines DAAD-Stipendiums intensiv über das Internet mit der Fachliteratur auseinandersetzen und dadurch mehr Selbständigkeit und Selbstbewusstsein erwerben. Daher sollte das Programmangebot des DAAD auch weiterhin bestehen bleiben, denn der Austausch lohnt sich in akademischer und wirtschaftlicher Hinsicht sowohl für die ägyptische wie für die deutsche Seite.”


    Zum Verfasser:
    Nach dem Frau Gayer 1989 ihren Bachelor an der Universität Alexandria erwarb und anschließend erfolgreich ihre Magisterarbeit (Thema: Neuronale Netze und Mustererkennung) beendete, würden ihre hervorragende Forschungsleistungen mit einem DAAD Channel-Stipendium ausgezeichnet. Das Stipendium ermöglichte ihr einen zweijährigen Forschungsaufenthalt an der Universität Ulm, in dem sie sich umfangreich mit dem Bereich der neuronalen Netze befasste. Nach ihrer Promotion kehrte sie zurück nach Ägypten. 1994 verteidigte sie erfolgreich ihre Dissertation in Alexandria. Seit 2000 lehrt sie am „Information Technology” Department der Kairo Universität.


    „Wissenschaft und Verantwortung”
    von Dr. rer. nat. Hesham A. El-Enshasy


    Mit der Promotion in Deutschland erfüllte sich ein Traum für mich: Das Channel-Stipendium bot mir die besten Ausgangsbedingungen, mich im Rahmen meiner Labortätigkeit - der Rekombination von Mikroorganismen - auf Gentechnologie zu spezialisieren und nebenher die deutsche Sprache zu erlernen. Nach meiner Rückkehr nach Ägypten arbeitete ich zunächst im National Research Center, dem größten staatlichen Forschungsinstitut in Ägypten. Um jedoch im Fahrwasser meiner wissenschaftlichen Karriere zu bleiben, wechselte ich zu dem neuen Technologiezentrum „Mubarak City” in den Bereich Gentechnik und Biotechnologie. Dies ist ein Traumplatz für ägyptische Wissenschaftler, denn die Arbeitsbedingungen sind hier genauso gut wie in Deutschland. Hätte ich nicht diese optimalen Forschungsmöglichkeiten, dann würde ich ins Ausland gehen. Dabei ist nicht so sehr das Geld entscheidend, sondern mein wissenschaftlicher Name. Angesichts der Globalisierung der Wissenschaft und der unbegrenzten Zugänglichkeit von Wissen beschäftigen wir uns kritisch mit den Folgen der sogenannten „Internet-Revolution”. Hier drängt sich die Frage nach dem cui bono in den Vordergrund, die das Problem der Ethik in der Wissenschaft aufwirft. Wir sind hier nicht gegen die Gentechnologie, doch man muss sich Gedanken darüber machen, was mit den gewonnenen Erkenntnissen passiert und wer die Verantwortung dafür übernimmt. Es gibt hier zwar noch keine genauen bioethischen Vorschriften, doch das wird sich unter dem anhaltenden Eindruck der Debatten über das Klonen bald ändern. Mein Vorschlag wäre daher, das Genomprojekt, ein Kind der Globalisierung, und die damit gewonnen Erkenntnisse sowie deren Nutzbarmachung durch die UNO finanzieren und kontrollieren zu lassen, um die Gefahren des Missbrauchs zu reduzieren. Dem DAAD sollten auch in Zukunft ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, damit die Qualität unserer Wissenschaft im Dialog mit der deutschen weiter gefördert wird.


    Zum Verfasser:
    Zunächst schloss Herr El-Enshasy sein Studium an der Mikrobiologie- und Chemieabteilung der Ain-Shams Universität in Kairo ab. Anschließend arbeitete er in der freien Wirtschaft im Bereich Pharmazeutik. Vier Jahre später folgte seine Magisterarbeit. Über ein vom DAAD verliehenes Channel-Stipendium hatte er die Möglichkeit an der „Gesellschaft für pathologische Forschung” in Braunschweig zu forschen. 1993 folgte seine erfolgreiche Promotion. Zurzeit arbeitet er in „Mubarak City for Scientific and Technology” im Bereich der Biotechnologie.


    „Umweltschutz - eine ökonomische Ressource”
    von Dr. Hanan Ghozlan

    Angesichts der gravierenden Umweltverschmutzung in Ägypten hat man sich vor 5 Jahren dazu entschlossen, mehr für den Umweltschutz zu tun, so zum Beispiel intensiver mit Umweltschutzgruppen wie der „Community Activity”, einer Alexandriner NGO, zusammenzuarbeiten oder das Abwasser nicht mehr kübelweise ins Meer zu kippen, sondern in ein Klärwerk. Dies ist Ausdruck eines neuen Umweltbewusstseins, wie es der Gouverneur von Alexandria fördert. Daneben produziert Alexandria täglich ca. 2,5 Tonnen Müll, was neue Fragen für die Umweltpolitik aufwirft, zum Beispiel mehr Müllautos einzusetzen oder eine Verpackungssteuer wie in Deutschland einzuführen, um die Verpackungsorgien zu beenden. Müllanalysen von Umweltschutzgruppen haben außerdem ergeben, dass mehr als neunzig Prozent des Mülls organisch ist, also kompostierbar! Deshalb gehen wir in die Schulen, um den Kindern möglichst früh ökologisches Bewusstsein beizubringen. Das steht jedoch oft im Widerspruch zu ernsten sozialen Problemen wie drohender Arbeitslosigkeit, denn Tausende leben von der Mülltrennung oder vom einträglichen Geschäft der Tourismusbranche. Ein schwieriges, weil ambivalentes Problem: Einerseits brauchen wir Wirtschaftswachstum durch die Ansiedelung neuer Industrien, andererseits darf die Umwelt nicht darunter leiden. Ich wäre daher dafür, dass die Entwicklung neuer Industriezweige nicht behindert, ihre gesamte Technologie ab einem bestimmten Zeitpunkt jedoch genau definierten Umweltkriterien unterworfen werden sollte. In diese Richtung geht auch die Umweltpolitik der Regierung. So hat das zuständige Ministerium 1994 das Umweltgesetz Nr. 4 erlassen, das für die Einhaltung bzw. Überwachung dieser Umweltschutzstandards durch die Industrie sorgt. Langfristig müssen aber die Bereiche Tourismus, Wirtschaft und Umweltschutz ressortübergreifend und besser, das heißt kooperativ aufeinander abgestimmt werden. Unser Land lebt vom Tourismus, also muss es sich dafür einsetzen, dass seine „ökologischen Perlen” wie das Rote Meer, die Korallenriffs oder der Sinai durch den Tourismus nicht zerstört werden. Wenn alle drei Bereiche Umwelt, Bildung und Wirtschaft zusammenarbeiten, dann wird das Umweltbewusstsein in unserem Land zunehmen und sich weiter ausbreiten. Einen entscheidenden Beitrag können auch die Familien dazu leisten, denn sie verkörpern im ägyptischen Wertesystem das höchste Ideal. In dieser Hinsicht steht die ägyptische Familie der europäischen in nichts nach. Männer und Frauen arbeiten - Frauen sogar mit zunehmender Tendenz - und verfügen selbständig über ihr Geld. Eine Frage nach Emanzipation stellt sich daher gar nicht. Und wenn man die europäische Emanzipationsbewegung in den Blick nimmt, so kann Ägypten stramm mithalten: hier sind die Frauen 1919 zum ersten Mal auf die Straße gegangen. Das war damals ganz normal, obwohl es so politisch war. Das alles ist Ägypten... Dem DAAD wünsche ich zum vierzigjährigen Jubiläum alles Gute, und ich hoffe, dass noch viele Ägypter ins Ausland gehen und mit den dort erworbenen fachlichen Kenntnissen nach Ägypten zurückkehren, um unser Land kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dann wird Ägypten auch attraktiver für ausländische Investoren.


    Zum Verfasser:
    Frau Ghozlan hat ihr Master Degree in Mikrobiologie an der Universität Alexandria erworben. Für ihre Dissertation im Fachbereich Gentechnik und Molekularbiologie ist sie mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zweieinhalb Jahre nach Bayreuth gegangen. Fünf Jahre nach ihrer Doktorarbeit hat sie den Grad eines Assistant Professors erworben und bereitet sich zurzeit auf das Verfahren zur Beförderung zum „Full Professor” an der Alexandria Universität vor.


    „Die Globalisierung der Schweißtechnik”
    Dr. Eng. Magdy El Rayes

    In Ägypten existiert in Bezug auf die Schweißtechnologie leider immer noch ein zeitlich limitierter Technologietransfer: Für kurze Zeit wird das von europäischen Firmen angewendete Know-how der Schweißtechnik erworben. Das führt jedoch nicht zu einer dauerhaften Qualifizierung - mit dem Weggang der Firmen aus Ägypten geht auch das Spezialwissen. Da aber weltweit Qualifizierung und Zertifizierung gefordert wird, brauchen wir sehr gute Konzepte zur Standardisierung der Technologien. Solche Konzepte müssen die Qualität der Schweißtechnik garantieren und ein Niveau hervorbringen, das dem amerikanischen, deutschen oder japanischen entspricht. Da ich mich gut auskenne in Technik und Problemlösung deutscher Schweißtechnologie und die deutsche Schule meinem eigenen Verständnis von Schweißtechnik am nächsten kommt, setze ich auf Deutschland für den Technologietransfer. Mit diesem Wissenstransfer sollen die im Bereich der Schweißtechnik arbeitenden Leute hier in Ägypten entsprechend qualifiziert und zertifiziert werden. Mein Ziel ist, einen einheitlichen Qualifikationsstandard zu schaffen, der die hier ausgebildeten Schweiß-Ingenieure dazu befähigt, die neue Technologie nicht nur einfach zu übernehmen, sondern wieder eigene, angepasste Technologien in den Firmen zu entwickeln. Da das Equipment der Schweißtechnologie in Ägypten qualitativ mangelhaft ist, muss ich zum Forschen ins Ausland, denn für meine Forschung ist oberste Priorität das Höchstmaß an Qualität und der neueste Stand der Technik. Es liegt natürlich vieles am Geld, das für die Ausstattung der Maschinen und Werkzeuge benötigt wird. Wir haben sehr gute, ägyptische Wissenschaftler mit internationalem Niveau, doch ich bezweifle, dass ein hochqualifizierter, renommierter Forscher wie der Nobelpreisträger Professor Zuweil das erreicht hätte, was er erreicht hat, wenn er in Ägypten gearbeitet hätte. Das bedeutet, dass die äußeren, materiellen Rahmenbedingungen für die Forschung unbedingt verbessert werden müssen durch Erneuerung von Maschinen und Technik, damit dieses internationale Niveau in Ägypten eine adäquate Forschungsheimat findet. Dann ist auch vorstellbar, dass Ägypten irgendwann einmal Exporteur der Schweißtechnologie für Deutschland werden könnte. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt geht es darum, eine Art Wettbewerb der Schweißstandards im ägyptischen Markt einführen, um zu sehen, welcher technologische Standard sich durchsetzen wird, der amerikanische oder deutsche. Denn mittlerweile existiert so etwas wie eine Globalisierung in den europäischen Schweißstandards und bis 2004 sollen diese weltweit vereinheitlicht werden. Dann wird die Welt mit einem einheitlichen Standard arbeiten. Überall, ob in Ägypten, Japan, Amerika oder Deutschland, wird dann der gleiche Geist aus der Schweißerflasche strömen. Nur dann und nur so ist eine internationale Zusammenarbeit mit verschiedenen ausländischen Firmen möglich.

    Zum Verfasser
    Herr El Rayes ist nach seinem Master Degree an der Universität in Alexandria mit einem Channel-Stipendium der ägyptischen Regierung ausgezeichnet worden und für 2 Jahre nach Berlin gegangen. Anschließend hat er das Rigorosum an der Alexandria Universität absolviert. Zurzeit lehrt und forscht er als Assistant Professor der Faculty of Engineering an der Alexandria University. Herr El Rayes hat sich auf das Gebiet der Schweißtechnik spezialisiert; als Experte unternimmt er Forschungsreisen nach Deutschland, Japan und USA. Seine besonderen Kenntnisse werden auch von der Industrie geschätzt, für die er sein Wissen nutzbar macht. Sein Hauptaugenmerk gilt der Qualitätssicherung der Schweißtechnik; er will in diesem Kontext zusammen mit dem Deutschen Verband für Schweißtechnik eine Zertifizierung für Schweißtechnik einführen.